Brigitte Märker - Wenn der Acker brennt Liebster Justus Hörspiel bei NDR Kultur
Liebster Justus Follow Brigitte Maerker on twitter Follow Brigitte Maerker on facebook

Leseprobe -

Liebster Justus - Feldpostbriefe einer Offiziersfrau


Der Sommer 1914 ist strahlend schön. Wer es sich leisten
kann, fährt ans Meer, lässt es sich in den mondänen Seebädern
gut gehen.
Klara und Justus sind mit ihren Zwillingen Helene und
Paula und dem kleinen Emil nach Usedom gereist. Dort hatten
sie sieben Jahre zuvor ihre Flitterwochen verlebt, und die
Insel ist ihnen in angenehmster Erinnerung geblieben. Die
Liebe zwischen der behüteten Tochter aus reichem Haus und
dem selbstbewussten Oberlehrer ist noch immer ungetrübt,
auch wenn das Leben nicht mehr ganz so unbeschwert ist wie
damals. Aus dem Oberlehrer Doktor Sander ist inzwischen
Direktor Sander geworden, der die Verantwortung für eine
ganze Schule trägt, und die behütete Tochter hat sich in den
lebhaften Alltag einer dreifachen Mutter einfinden müssen.
Aber jetzt sind Ferien, sorglose Tage am Meer sollen es werden.
Usedom! Ahlbeck, Bansin, Heringsdorf, Swinemünde!
Klingende Namen, die sonnenglitzernden weißen Strand
verheißen, weit ausgebreitet, eine wärmende Decke zwischen
Wasser und Dünen. Prächtige Villen mit säulenumrahmten
Balkonen säumen die Promenaden. Strandkörbe blau-weiß
gepolstert, wie über den Strand gekullerte Würfel erscheinen
sie aus der Ferne. Sanft fegt der Wind über die Dünen hinweg,
treibt die salzige Luft von der See herein. Wellen brausen ans
Ufer, ergießen sich über nackte Füße. Kinder tollen zwischen
den Strandkörben, buddeln im feinen Sand, bauen Burgen,
jedes sein eigener Baumeister. Überall ist Lachen, Singen und
Necken. Postkartenidylle!
Die turbulente Hafenstadt lockt auch in diesem Sommer
viele Besucher an, den einfachen Kur- und Badegast und die
Prominenz. Swinemünde bietet Abwechslung für den Ruhe-
suchenden und den, der ein bisschen große weite Welt
schnuppern möchte. Sogar der Kaiser schaut in jedem Jahr
auf eine Stippvisite vorbei.
Unvergesslich das Spektakel am 4. August 1907, die Begegnung
zwischen ihm und seinem Cousin Zar Nikolaus II.:
Von Bansin bis Swinemünde standen die Menschen dicht
gedrängt am Strand, bewunderten die „Hohenzollern“, die
stolze weiße Jacht des Kaisers, die umlagert von der deutschen
Seeflotte den hohen Besucher erwartete. Ein Aufschrei
des Erstaunens ging durch die Menge, als die „Kronstadt“
aus dem Dunst am Horizont hervorstach. Umkreist von russischen
Torpedobooten glitt das mächtige schwarze Zarenschiff
auf die Insel zu, begleitet von den Begeisterungsstürmen
der Zaungäste ging es vor Anker.
Später hieß es, der Zar und der Kaiser hätten sich an diesem
Tag ewige Freundschaft geschworen, und das grandiose
Feuerwerk in der Nacht sollte sie besiegeln. Die Schiffe
erstrahlten im Licht unzähliger Glühlampen, die bis in die
Mäste hinaufgezogen waren. Grüne, blaue, weiße und rote
Raketen zischten in die Höhe, tauchten die Nacht in schillernd
bunte Farben. Zum Zeichen der Einheit wurde schließlich
noch ein „W“ neben einem „N“ an den Himmel geworfen.
Wilhelm und Nikolaus, Deutschland und Russland, in
Freundschaft vereint.
Bis in die frühen Morgenstunden wurde auf der Strandpromenade
getanzt. Die Menschen waren ausgelassen und
voller Hoffnung auf einen andauernden Frieden.
Juli 1914: noch scheint die Sonne in Swinemünde. Am
Strand tragen die Damen züchtige Badeanzüge, auf der Promenade
spazieren sie in langen schmal geschnittenen Kleidern,
breitkrempige Hüte mit Federn auf den wohl frisierten
Locken. Dann und wann zeigt sich ein freches farbiges Hütchen,
das sich an den Kopf schmiegt, ganz wie es die Modewelt
in Paris erdacht hat.
Die Herren ganz elegant, in hellen Anzügen, Strohhüten,
ein goldumrandetes Monokel in der Westentasche und die
Bärte nach oben gezwirbelt, alle kleine Kaiser. Die Buben in
kurzen Hosen mit kurz geschorenen Haaren, selbstbewusst
mit wachem Blick. Die kleinen Mädchen, reizend wie Püppchen,
in weißen Spitzenkleidchen, Lackschühchen und mit
geflochtenen Zöpfen, von glänzenden Taftschleifen gehalten.
Auch die Zwillinge Paula und Helene und der kleine Emil
gehören zu diesen niedlichen Geschöpfen, die unbeschwert
um die Eltern herumspringen. Die beiden Mädchen, fünf
Jahre alt, und der zweijährige Stammhalter sind der ganze
Stolz von Klara und Justus.
„Komm in meine Liebeslaube, in mein Paradies“ und
„Puppchen du bist mein Augenstern“, spielen die Kurorchester,
und will man die jungen Damen zum Erröten bringen,
dann wird Clarie Waldoff gesungen: „Hermann heeßt er! Wie
der Mann knutschen, drücken kann …“
Noch tanzt Swinemünde, noch will niemand das Schreckliche
denken. Der Kaiser gilt doch etwas, sein Wort hat Gewicht.
Er wird die Krise beenden, die plötzlich den Frieden
in Europa bedroht.
Aber die Sache ist ernst. Die Ermordung des österreichisch-
ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand
und seiner Frau am 28. Juni in Sarajevo hat die schon
seit Langem aufgeheizte Luft zwischen den Völkern zum
Flimmern gebracht. Der Seemacht Großbritannien erscheint
die deutsche Flotte inzwischen zu mächtig. Das Verhältnis
zwischen Frankreich und Deutschland ist seit der französischen
Niederlage von 1871 ohnehin äußerst angespannt. Auf
dem Balkan konkurriert Russland mit Österreich-Ungarn
um die Vormachtsstellung.
Das Attentat von Sarajevo ist der letzte Funke, der das
Pulverfass Europa explodieren lassen wird. Hektisch und
unüberlegt agiert die Diplomatie – und versagt.
Ende Juli 1914 überschlagen sich die Nachrichten. Mit der
Rückendeckung des deutschen Kaisers stellt Österreich-Ungarn
Serbien ein Ultimatum. Kaiser Franz Joseph I. verlangt
die rückhaltlose Strafverfolgung der Hintermänner des Attentats.
Doch Franz Joseph ist mit der Antwort aus Belgrad
nicht zufrieden und erklärt Serbien nach Ablauf des Ultimatums
den Krieg. Sofort schlägt sich Russland auf die Seite
Serbiens und verkündet nun seinerseits die Generalmobilmachung.
Deutschland mit Österreich-Ungarn, Russland mit
Serbien im Verbund, die beiden Cousins, Zar und deutscher
Kaiser nun Gegner? Wilhelm reagiert umgehend: Er drängt
Nikolaus, die Mobilmachung zurückzunehmen.
Die Extrablätter werden den Verkäufern aus den Händen
gerissen. Der Kaiser lässt keinen Zweifel daran, was werden
soll, wenn Russland nicht einlenkt.
„(…)Ich hoffe, dass, wenn es nicht in letzter Stunde meinen
Bemühungen gelingt, die Gegner zum Einsehen zu bringen
und den Frieden zu erhalten, wir das Schwert mit Gottes
Hilfe so führen werden, dass wir es mit Ehren wieder in die
Scheide stecken können …, verkündet Wilhelm II. am 31. Juli
1914 in Berlin.
Wenige Stunden später die Gewissheit: Der Zar wird nicht
nachgeben. Am Samstag, den 1. August 1914 erschüttert der
Trompetenstoß eines Hornisten der Swinemünder Garnison
die Stadt: Wilhelm II. hat die Mobilmachung verkündet.
Es dauert nicht lange, bis die Strandkörbe verwaisen,
die Promenaden wie leergefegt sind. Traurig klappern die
Fensterläden der in aller Eile verlassenen Hotels im Wind.
Mit Koffern beladene Autos verstopfen die Straße. Hupen,
Schimpfen, Drängen! Der strahlend helle Sommer 1914 hat
sich jäh verdunkelt.
Stiefel marschieren, feldgrau, marineblau, das sind die Farben,
die Swinemünde nun beherrschen. Die Damen in den
hübschen Garderoben, die Mädchen in ihren Lackschühchen,
die kleinen Buben, junge Männer, Väter, alle strömen
davon. Auch Klara und Justus wollen nach Hause. Schnell
los, nur nicht noch länger warten.
Auf dem Bahnhof herrscht heilloses Durcheinander. Die
einfahrenden Züge sind überfüllt, und kaum jemand findet
einen Platz. Klara fürchtet um ihre am Abend zuvor telegra-
phisch bestellten Billets für ein Schlafwagenabteil von Berlin
nach Frankfurt. Sie war doch so glücklich, als man ihr sie
zusicherte. Aber wie sollen sie jetzt rechtzeitig nach Berlin
kommen? Plötzlich ein Geraune in der Menge, irgendjemand
hat gehört, dass in Heringsdorf noch Züge abfahren.
Ein Auto! Jetzt braucht man ein Auto! Klara muss sich nicht
lange sorgen, Justus hat sich schon gekümmert. Im offenen
Wagen rasen sie in zehn Minuten nach Heringsdorf. Die
Haare fliegen, die Hüte werden auf den Kopf gepresst. Klara
drückt den kleinen Emil fest an sich. Sie fürchtet, dass sie bei
diesem Tempo noch allesamt aus dem Auto fallen. Aber die
mutige Fahrt lohnt sich. Gerade fährt ein Zug in den Bahnhof
ein. Koffer aus dem Wagen, schnell, schnell, einsteigen. Geschafft!
Wenigstens im Gang ist noch Platz, und da sitzen sie
nun auf ihren Koffern.
Die junge Frau in dem blauen Seidenkostüm, ein Blau, das
beinahe so hell ist wie die Farbe ihrer Augen. Das dunkle seidige
Haar hochgesteckt unter dem gelben Sommerhut. Klara
zieht so manchen heimlichen Männerblick auf sich, doch das
nimmt sie nicht wahr. Sie lehnt ihren Kopf an den Mann,
der neben ihr sitzt und liebevoll ihre Hand streichelt. Justus’
Schläfen sind schon ein wenig grau, aber schnell ist der
Altersunterschied zwischen ihm und Klara vergessen, wenn er
mit den Kindern scherzt und sich vergnügte Fältchen um die
klugen dunklen Augen zeigen.
Der Zug kommt gut voran, es steigen kaum Leute zu, die
meisten sind wohl schon fort. Irgendwann werden Plätze in
der 1. Klasse frei, die Justus für die Familie erobert.
Einigermaßen ausgeruht kommen sie alle in Berlin an.
Doch sie finden sich auf einem von Menschen überquellenden
Bahnsteig wieder. Die Züge haben alle Verspätung,
und die Stimmung unter den Reisenden ist angespannt. Die
Kinder sind nach der langen Fahrt kaum zu bändigen, Lokomotiven
stampfen über die Gleise, schnaubende Kolosse,
die die Wartenden in dunkle Rauchwolken hüllen, dazu das
flirrende, summende Stimmengewirr. Alles ist in Bewegung.
Eine Stunde müssen sie auf dem Bahnsteig ausharren, bis
der voll gestopfte Zug nach Frankfurt am Main eintrifft. Aber
noch ist die Ordnung nicht ganz verloren. Das Schlafwagenabteil
für Klara und ihre Familie ist reserviert. Endlich ein
bisschen Geborgenheit.
Gleichmäßig rattert der Zug durch die Nacht, noch ist es
eine friedliche Nacht. Die Kinder und Justus schlafen. Klara
denkt an das, was vielleicht kommen wird. Zärtlich streicht
sie die Haarsträhne aus Justus’ Stirn. Wie lange wird sie ihr
Glück noch festhalten können?
Am nächsten Morgen treffen sie zu Hause ein. Alle sind
in heller Aufregung, die Köchin, das Dienstmädchen und
das Kinderfräulein. Im Schulhof, gleich neben ihrem kleinen
aufgeräumten Häuschen mit dem blühenden Garten, sieht
man schon Soldaten aufmarschieren. Klara hat keine Zeit für
tröstende Worte. Justus hat schon seine Einberufung, er muss
noch am Abend nach Mainz abreisen, dort sammeln sich die
Truppen. In großer Hetze hilft sie ihm bei den Vorbereitungen,
um sechs Uhr fährt sein Zug.
Alles geht so schnell, sie kommt kaum zum Luftholen,
und dann steht sie mit Justus auf dem Bahnsteig und versucht
tapfer zu sein. Sie will ihm den Abschied nicht schwer machen.
Er hat gesagt, dass sie ihn vielleicht noch einmal besuchen
kann, bevor er ins Feld muss. Das Hotel hat er schon
bestimmt. Eine kleine Hoffnung, die trösten soll.
„Auf Wiedersehen“, wie bedeutungsvoll diese Worte auf
einmal sind. Wie betäubt schaut Klara dem davonrollenden
Zug nach. Ganz allein fühlt sie sich auf einmal.
„Justus, mein Einziger, mein Liebster, ich will Dir schreiben,
wann immer es mir möglich ist. Wenn ich nur dann auch
die richtigen Worte finde, um Dich spüren zu lassen, was ich
fühle. Du sollst all meine Gedanken wissen, dann bleiben wir
uns nahe. Ja, ich will Dir schreiben, mein lieber guter Justus,
schreiben …“

4. August 1914
Liebster Justus!
Seit drei Tagen habe ich nichts mehr von Dir gehört. Seid Ihr
vielleicht schon fort? Ich hatte so sehr gehofft, Dich noch einmal
besuchen zu dürfen. Wie es Dir bei der Hitze wohl gehen mag?
Sind Deine Füße denn noch gut?
Justus, mein Herz, ich würde Dich so gern ein letztes Mal in
meine Arme nehmen, bevor Du ins Feld musst. Ich warte ganz
sehnsüchtig auf eine Nachricht von Dir. Ich weiß, wir müssen uns
nun alle in diese neue Zeit einfinden, aber es ist so schwer. Wenn
ich in der Nacht aufwache und spüre, dass das Bett neben mir leer
ist, dann wünsche ich mir, dass Du gleich morgen wiederkommst.
Aber ich will tapfer sein und ich werde lernen, Geduld zu
haben, das verspreche ich Dir. Du sollst Dich nicht um Deine Frau
sorgen müssen.
Heute Vormittag war ich bei Frau Reimer. Er marschiert auch
in diesen Tagen. Sie glauben nicht, dass sie sich je wiedersehen.
Wie wollen sie diese Zeit nur überstehen, wenn sie sich schon
jetzt solches ausmalen? Manchmal denke ich ja auch daran und
frage mich, was ich dann noch auf der Welt sollte, wenn Du nicht
mehr bist. Aber so darf ich nicht denken, da sind doch unsere
Kinder! So will ich lieber zuversichtlich sein und darauf vertrauen,
dass Du gesund nach Hause kommst.
Frau Reimer meinte übrigens, dass ihr Mann die Stelle an der
Schule nie angenommen hätte, wenn Du hier nicht Direktor seist.
Er bewundert Dich sehr, so wie alle Deine Kollegen. Aber sie wäre
wohl lieber in Lübeck geblieben, wegen ihrer Eltern, die sie doch
sehr vermisst. Paula und Helene haben gestern gefragt, ob der
Krieg nicht bald aus sei und der Papa wieder nach Hause kommt?
Stell Dir vor, Nolde hat bereits genug von seinem Posten. Dabei
dachte ich, dass er schon seit langem auf das Amt des Direktors
aus sei. Stattdessen sagt er, dass es ihm stark an die Nerven gehe,
dass er sich jetzt nicht nur mit Schülern und Eltern auseinandersetzen
müsse, sondern auch noch mit der Lehrerschaft und für
alles die Verantwortung trage. Mein Liebster, ich hoffe, dass es Dir
gut geht und Gott Dich beschützt, wo immer Du bist. Und wenn es
so kommt, dass Du Dein Leben für unser Vaterland geben musst,
dann sei gewiss, dass ich Dein bin für alle Ewigkeit. Ich liebe
Dich, Justus, nie wird ein anderer diesen Platz in meinem Herzen
einnehmen können.
Ich küsse und umarme Dich.
In innigster Liebe
Deine Klara

5. August 1914
Mein Liebster!
Danke für Deinen lieben Brief, den ich heute erhielt und der mich
ein wenig tröstet. Wenn ich nur recht oft von Dir höre, dann wird
mir die Zeit nicht ganz so schwer werden.
Was meinst Du, wie wird dieser Krieg wohl ausgehen? Ich
fürchte, es gibt eine grausame Massenschlachterei. Wie erleichtert
wäre ich, wenn Du erst gar nicht ins Feld müsstest!
Der Stabsarzt Dr. Baum ist gestern nicht gekommen, wie er
angekündigt hat. Ich bin seinetwegen den ganzen Nachmittag zu
Hause geblieben. Als ich heute in der Stadt war, da telefonierte
er, dass er das Rad und die übrigen Sachen für Dich mitnehmen
wird.
Ich war heute schon viermal in der Stadt, um alles zu besorgen.
Papa und Albert halfen mir tüchtig. Wir waren mit dem Auto
unterwegs, sonst wäre das alles gar nicht zu schaffen. Greta
meinte, dass ich ihr und Albert immer sagen solle, wenn ich
Hilfe bräuchte. Meine Schwester ist überhaupt gerade sehr nett
zu mir. Sie sieht wohl, wie sehr ich unter unserer Trennung leide.
Ihr Albert muss ja nicht fort. Ingenieure werden in der Heimat
gebraucht, heißt es. Nach Tisch gehe ich nun zum fünften Mal in
die Stadt. Der Sattel ist leider immer noch nicht fertig. Sachen
aus Leder sind nur noch schwer zu bekommen und ich bin froh,
dass Sattler Müller die Arbeit noch ausführt. Du schreibst, das
Rad sei zu teuer. Der Sattel, von dem Du nichts schreibst, ist doch
noch teurer. Aber Du brauchst doch beides. Das Rad gefällt Dir
hoffentlich. Papa hat es gekauft und will es Dir schenken, ebenso
das Sattelzeug. Die Pistole ist auch von ihm.
Mein Liebster, ich habe so viel zu tun, dass ich nicht zum
Denken komme, und darüber bin ich froh. Ich will auch noch
mehr Gemüse einmachen, es ist gerade so billig. 30 Gläser habe ich
schon, ein guter Vorrat für den Winter. Einquartierung haben wir
übrigens auch. Drei Soldaten und zwei Offiziere.
Ob Du Robert zu sehen bekommst? Er soll Freitag in die
Kaserne nach Gonsenheim abreisen. Mutter ist schon ganz mit
den Nerven herunter und auch ich denke viel an meinen „kleinen“
Bruder. Er ist ja noch nicht mal 20 Jahre, und wer weiß, welches
Elend er zu sehen bekommt. Wenn er wenigstens zu Dir käme,
dann wäre uns allen wohler.
Ich bete zu Gott, dass er Dich und Robert behütet und Euch
beide wohlbehalten zu uns zurückschickt. Leb wohl, mein Liebster,
bleib gesund. Wir haben uns doch noch so viel zu sagen und zu
geben.
Immer Deine Klara